Die Information der Basler Zeitung von heute schlägt ein wie eine Bombe aus heiterem Himmel: “Bisher gingen die Umweltbehörden und Chemiefirmen davon aus, dass in den grössten Deponien der Region Basel 20000 Tonnen Chemiemüll liegen. Diese Zahl muss nun auf mindestens 160000 Tonnen erhöht werden”.
Ich kanns kaum fassen, als ich heute morgen die Schlagzeile der BAZ lese. Redaktor Hannes Hänggi ist im Besitz eines internen Dokumentes, das besagt, dass ein Vielfaches an Chemiemüll in den bekannten Gruben in der Region Basel liegen.
Die grosse Frage: Woher?
Woher stammen diese Zahlen? Hat da wieder mal jemand irrtümlich eine brisante Information in den Mailanhang oder auf einen Fax gelegt? Wird hier wirklich ausschliesslich von Chemiemüll gesprochen, oder wird etwa noch etwas Bauschutt dazugezählt? Verschiedene Redaktionen sind vorsichtig und beginnen, wie wir, zu recherchieren, woher diese Daten stammen könnten und wie es zustande kam, dass wir bis heute nicht darüber informiert worden sind.
Was wissen die Behörden (von Bund, Kanton, Gemeinden)?
Bei welcher Amtsstelle wir auch immer wir anrufen, der Tenor ist immer der selbe: “Diese Zahlen haben wir nicht gekannt.”
Greenpeace sauer
Wenn die Recherchen der BAZ stimmen, hätten jetzt Grund echt sauer zu sein, wenn wir das wollten. Letzte Woche haben Novartis, Ciba und Syngenta mit einer überhasteten ungeplanten Teilsanierung im Letten bei Schönenbuch begonnen – ohne auch nur annähernd genügende Schutzmassnahmen. Und jetzt kommen – diesmal ohne vorheriges pflügen – noch die viel höher als angenommenen Zahlen bei den Chemiemüll-Tonnagen in der Grossregion Basel zum Vorschein. Verrückt. Echt verrückt.
Hirschacker wie Bonfol
Gemäss den neuen Angaben hat die Roche-Deponie im Hirschacker bei Grenzach mit 100′000 Tonnen Chemiemüll nun annähernd eine Dimension der Deponie von Bonfol JU (wo derzeit um eine umwelttechnisch saubere Lösung gerungen wird).
Und es kommt noch fetter: Roche hat finanziert ein Teilsanierungsprojekt im Hirschacker unter Einsatz von verhältnismässig kleinen 8 Mio. Franken. Wenn man bedenkt, dass die Sanierung von Bonfol mehr als 35 Mal mehr kostet (CHF 280 Mio), kommt nun der dringende Verdacht auf, dass es sich in Grenzach nicht um ein seriöses Sanierungs-Projekt handeln kann.
Kommt mal endlich von der Teppichetage runter
Matthias Wüthrich hat’s mir heute am Telefon treffend gesagt: “Es ist jetzt Zeit, dass Herr Vasella (Novartis), Herr Humer (Roche) und Herr Meier (Ciba) jetzt endlich einmal von der Teppichetage hinunter zu den Chemiemüll-Deponien steigen, um sauber geplante Totalsanierungen der kontaminieten Orte an die Hand zu nehmen”; da kann ich nur anfügen: “dann bitte mit Schutzhandschuhen”.
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