Der Niederschlag übers Wochenende hat die Situation bei der Deponie Le Letten nicht verbessert. Die Schutzmassnahmen für Mensch und Umwelt sind dürftig. Die Grube wird immer tiefer. Es liegt keine Bewilligung zur Totalsanierung der Deponie vor.
Le Letten Hagental-le-bas / Schönenbuch, Montag, 19.3.2007
Am Vormittag erhalte ich ein Telefon vom Südbadischen Fernsehen. Sie wollen sich ein Bild vor Ort machen. Leider schaffe ich es nicht rechtzeitig an Ort zu sein. Doch es gibt zum Glück viele andere Leute, die ebenso gut Auskunft geben können über die Aktivitäten vor Ort und deren Probleme.
Ãoeber Nacht hat es 8.2 mm Niederschlag in Form von Regen und Schnee gegeben - nicht viel aber es ist trotzdem heikel für eine offene Deponie.
Es wird mit Schutzmaske und Schutzkleidung gearbeitet
Die positive Nachricht zuerst: Als ich kurz vor 16 Uhr nach Schönenbuch zur Deponie komme, sehe ich, dass es, einen Steinwurf von der Teilsanierungs-Baustelle entfernt, einen zweiten Ring mit Baugittern gegeben hat. Die Menschen auf der Baustelle arbeiten heute, im Gegensatz zum Anfang letzter Woche, mit Atemschutzmaske, Handschuhen und Schutzanzug. Also immerhin: Diesbezüglich hat es eine Verbesserung gegeben.
Regen und Schnee kommt quasi ungehindert in die offene Grube
Das Loch ist tiefer geworden, stinkt aber immer noch gleich wie am letzten Montag. Trotz Schnee und Regenfall ist nichts von einem Zelt zu sehen, das den Niederschlag abhalten könnte mit dem offenen Chemiemüll in Kontakt zu kommen. Als minimale Massnahme wurden ein paar Blachen ausgelegt, wenn nicht gearbeitet wird . Nicht gerade viel, wenn man sieht, wie der Wind bläst. Durch die Blachen wird das Wasser konzentriert und ich hoffe, dass nicht genau dort, wo es abfliesst, die grösste Konzentration an Chemiemüll liegt. Novartis würde mir vermutlich eine Schlafpille verschreiben, um meine Bedenken zu zerstreuen.
Teilsanierung ohne Bewiligung
Heute spricht die Chemische bei den Grabungsarbeiten von einer Sicherungsmassnahme. Gegenüber einem Anwohner aus Schönenbuch hat sie am Mittwoch von einer Teilsanierung gesprochen. Betreiben wir jetzt Haarspalterei, wenn wir finden, das sei nicht dasselbe? Aufgrund der Dimensionen der Grube (gemäss Auskunft des Ingenieurs vor Ort am vergangenen Montag ist sie 19 mal 9 mal 4.7 Meter gross) muss von einer Teilsanierung die Rede sein. Eine Teilsanierung ist bewilligungspflichtig und mit Auflagen zum Schutz von Mensch und Umwelt verbunden. Eine solche Bewilligung wurde bis Dato nicht eingeholt, konnte also auch nicht erteilt werden.
Gespräch mit einem Arbeiter
Vor einem kurzen Interview fürs Regionaljournal spreche ich mit einem Arbeiter vor Ort. Ich mache ihn auf die oben erwähnten Mängel aufmerksam ohne vergessen zu erwähnen, dass es mich freut, dass sie jetzt immerhin ihren eigenen Körper schützen, mit Gasmaske und Anzug. Er erzählt mir, dass ihn ein Bild in der Zeitung geärgert hat, wo die Zeitung geschrieben habe, es seien Arbeiter ohne Schutz darauf gewesen, dabei seien es Leute einer Umweltschutz-Organisation gewesen. Ich bin froh, dass er diesen Fall anspricht. Die Geschichte mit den Leuten einer Umweltorganisation scheint ein böses Gerücht zu sein. Ich habe die Arbeiter am Montag selber arbeiten gesehen – ohne irgendwelche Schutzausrüstung. Es gibt genügend Fotos und ein Video und genügend Augenzeugen davon. Ich schliesse auch nicht aus, dass auf einem Foto Passanten sichtbar sind, welche sich den Gestank aus der Nähe zur Nase führen. Es ist mir aber wichtig, richtig zu stellen: Auf dem entsprechenden Foto sind keine Greenpeace-Leute zu sehen. Sicher ist: Es hat ein Arbeiter am Montag vor einer Woche ohne Schutz mit einem grossen Bagger ein Loch ausgehoben. Zwei andere waren auch ungeschützt vor Ort. Vermutlich hat die Basler Chemische Industrie (Novartis, Ciba, Syngentga) oder deren Vertreter, die Emmissionen wesentlich unterschätzt. Ich klage nicht die Arbeiter an. Sie machen ihre Arbeit. Ich klage jene an, welche diese Arbeiter – und nicht nur sie – dem grossen Chemie-Risiko aussetzen. Sanieren ja – aber bitte mit den entsprechenden Sicherungsmassnahmen.
Schnee und Regen
Kurz vor 17 Uhr wird es ruhig vor Ort. Die Arbeiter haben die Chemiegrube verlassen. Ich spreche noch mit einem älteren Anwohner aus Schönenbuch. Solche Menschen sind mehr als Gold wert. Es sind wandelnde Lexika. Was die alles wissen, was ich nicht weiss. Und heute weiss ich dank ihm wieder etwas mehr. Aber davon ein anderes Mal. Gegen 18 Uhr fängt es wieder an zu schneien, vermischt mit Regen – nicht intensiv, zum Glück.
Abgelegt unter Chemie-Probleme | 1 Kommentar
4. Oktober 2007 um 19:14 Cia&Friends » Blog Archiv » Novartis bedroht meine Heimat Kommentar:
[...] und Roche beteuerten gleich, es handle sich bei den hau ruck durchgezogenen Aktionen NICHT um Sanierungsmassnahmen, sondern nur um Sicherungsmassnahmen. [...]