17. Februar 2007Eindrückliche Dokumentation des Nichtstuns

Medienkonferenz, 15. Februar 2007, 10 Uhr, Restaurant Löwenzorn in Basel

Referat von Käthy Aellen-Rumo, Präsidentin FbTK

Meine Damen und Herren,

was wir ihnen heute vorgestellt haben, ist eine eindrückliche Dokumentation des Nichtstuns, eine eindrückliche Dokumentation was Chemiemüll und Trinkwasser anbelangt.

1980 messen die Behörden zusammen mit der chemischen Industrie hohe Konzentrationen von Chemikalien im Trinkwasser aus der Muttenzer Hard. Behörden und Industrie gehen seit dann davon aus, dass die Chemiemülldeponien in Muttenz das Trinkwasser verschmutzen. Seit 1980 ist den Behörden zudem weitgehend klar, welche Trinkwasserbrunnen vom Chemiemüll gefährdet sind. Aber: Die Behörden handeln nicht, sie greifen nicht ein. Im Gegenteil: Sie nehmen die zusätzliche Verschmutzung des Trinkwassers durch die Chemiemülldeponien von Novartis, Syngenta, Ciba und Clariant in Kauf. Dabei wissen die Behörden nichts über die Giftwirkung der Chemikalien im Trinkwasser, wie die Studie von 1980 traurigerweise ebenfalls zeigt. Die Behörden lassen es also zu, dass 200′000 Menschen aus Basel, Allschwil, Birsfelden, Binningen (und weitere Gemeinden, die Hardwasser beziehen) mit dem Trinkwasser eine tägliche Chemiedosis zu sich nehmen. Sie lassen dies zu, ohne die Folgen dieser täglichen Gift-Dosis einschätzen zu können. Trotzdem verzichten sie auf einen Aktivkohlefilter, um wenigstens einen Teil der Chemikalien aus dem Trinkwasser herauszufiltern. Solche Filter haben alle Wasserwerke am Rhein nördlich von Basel, und ohne Chemiemülldeponien in der Nähe, dies übrigens bereits seit den 70er Jahren. Nicht so bei der Hardwasser AG in Muttenz: Bis heute gibt es dort keinen Aktivkohlefilter âEUR” bis heute, âEUR” trotz Chemiemülldeponien. So trinken wir mit dem Trinkwasser seit Jahren ein wenig Chemie âEUR” und wir tun es weiterhin, jedes Mal, wenn wir den Wasserhahn aufdrehen, also âEUR” täglich.

Dass der Chemiemüll das Trinkwasser zusätzlich belastet, davon berichten die Behörden selbst dann nicht, wenn sie darauf angesprochen werden: Im Trinkwasser seien nie Giftstoffe festgestellt worden âEUR” erst recht keine Deponie-Chemikalien, lässt die Baselbieter Regierung regelmässig verlauten. Bei den jetzt laufenden Deponieuntersuchungen haben Novartis, Behörden und Co. das Trinkwasser mit einer erschreckenden Systematik ausgeblendet: In ihren neuen Berichten haben Chemie und Behörden alle wichtigen Erkenntnisse aus der Untersuchung von 1980 beiseite gelassen. War es Absicht oder Nachlässigkeit? War es Absicht oder Nachlässigkeit, nicht einmal die Analyseergebnisse von 1980 zu berücksichtigen? Das Amt für Umweltschutz des Kantons Basel-Landschaft hat jetzt die Trinkwasserverschmutzung von 1980 offen gelegt âEUR” und stellt sich somit der Kritik z.B. der Kritik am Historischen Bericht über die Muttenzer Deponien von 2002. Bei dessen Erarbeitung das baselbieter Umweltamt mitgewirkt hat. Ganz anders das Kantonale Laboratorium: In seiner Funktion als oberster Trinkwasserverantwortlicher geht Kantonschemiker Niklaus Jäggi in die Defensive. Er redet noch 2007 von Amtsgeheimnis, wenn es um Chemikalien im Trinkwasser geht. Tut er dies, um das 50 Jahre lange Versagen des Kantonalen Laboratoriums bei der Trinkwasserkontrolle zu verstecken?

1957 war zum 1. Mal sichtbar geworden, dass der Chemiemüll in der Feldrebengrube Wasser verdreckt. Die damals bürgerliche Basel-Landschaftliche Zeitung schrieb im August 1957 dazu: âEURzEs ist in der Tat höchste Zeit, dass unsere Behörden zum Rechten sehen.âEURoe 50 Jahre später hat dieser Satz traurigerweise nichts von seiner Aktualität verloren: Es ist höchste Zeit, dass unsere Behörden zum Rechten sehen, das Trinkwasser schützen und den Chemiemüll auf Kosten der Verursacher ausgraben lassen.

Das Forum besorgter TrinkwasserkonsumentInnen ist mit dieser Forderung seit 50 Jahren in guter Gesellschaft: Das Ausgraben des Chemiemülls hat die Finanzdirektion des Kantons Basel-Landschaft schon 1957 verlangt âEUR” mit dem Hinweis, das Trinkwasser sei um jeden Preis zu schützen. Heute ist der Moment, dies endlich zu tun.

Weitere Informationen hier.

Dieses Referat als pdf:
Referat von Käthy Aellen-Rumo, Präsidentin FbTK (download 524 KB)

FbTK
Forum besorgter TrinkwasserkonsumentInnen, Postfach 938, 4001 Basel
Kontakt: Trinkwasserforum ät gmx.ch

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